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António Lobo Antunes

Zweites Buch der Chroniken

Originaltitel: Segundo Livro de Cronicas
Originalverlag: Publicacoes Dom Quixote
Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann

Deutsche Erstausgabe

Taschenbuch, Klappenbroschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-630-62087-9
€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis) empfohlener Verkaufspreis
Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Erscheinungstermin: 11. Juni 2007
Dieser Titel ist lieferbar.

António  Lobo Antunes - Zweites Buch der Chroniken
 
 
 

Zweites Buch der Chroniken

 

Buchinhalt

Das „Zweite Buch der Chroniken“ versammelt 78 der Kolumnen, die António Lobo Antunes alle vierzehn Tage für eine portugiesische Tageszeitung schrieb. Der weltberühmte Autor, der in seinen Romanen die portugiesische Geschichte und die Abgründe der menschlichen Seele erforscht, zeigt sich in diesen kurzen Geschichten sehr persönlich und facettenreich. Leichtfüßig, ironisch, verschmitzt, aber auch wehmütig und manchmal verzweifelt erzählt er von den Kleinigkeiten des Alltags, von Erinnerungen, Gerüchen und Geräuschen, von Begegnungen mit Menschen und von den Gründen, die ihn zum Schreiben zwingen. Er spürt allen Elementen nach, aus denen er, António Lobo Antunes, zusammengesetzt ist und entfaltet dabei einen ganzen Kosmos, in dem Schmerz ebenso wichtig ist wie unendliche Liebe, Fußball wie Parfümflakons, einsame Damen in Segeltuchstühlen wie Sonnenblumenfelder in Angola. Eine unbezähmbare Neugier auf die Welt spricht aus diesen Miniaturen - und die Faszination des scheinbar Unmöglichen: sie im Schreiben festzuhalten.

Als Junge erlebte der Erzähler die Schwerhörigkeit seines Großvaters wie eine besondere Auszeichnung. Er war dem normalen Dasein entrückt, kommunizierte bestimmt mit den Engeln und baute Wolken mit seiner Zigarettenspitze. Vermutlich war Wolkenbauen seine Hauptarbeit, denn die Dienstmädchen redeten ihn mit „Herr Ingenieur“ an. „Seine vollkommenen, gestrengen Rauchkaravellen segelten den ganzen September hindurch nach Westen, trugen die Wildenten und den Sommer mit sich fort.“ Jetzt ist der Erzähler selbst schwerhörig und wünscht sich, ein ungelenkes Wölkchen bauen zu können. Der Schriftsteller ist „einsamer als eine im leeren Hotelzimmer vergessene Jacke, wenn der Wind und die Enttäuschungen nachts den Rollladen klappern lassen“, und hört dennoch nicht auf, „Worte so tief einzugravieren, daß der Finger über die Zeilen streicht und das Feuer und das Blut fühlt“. Gut, daß er Freunde hat, „die ihn mit jener Nachsicht betrachten, die man jemandem entgegenbringt, der im Dienst von etwas ganz und gar Unsinnigen einen Arm verloren hat“.

Aus der Feststellung „Das Schönste, was ich bis heute gesehen habe, waren zwanzigtausend Hektar Sonnenblumen in der Baixa do Cassanje in Angola“ entwickelt sich eine hymnische Liebeserklärung an ein Land, das er während eines grausamen Krieges kennen lernte. Und in die Betrachtung des nächtlichen Lissabon, in dem nach und nach die Lichter angehen, mischt sich die Erinnerung an die Kinoreklame früher, als der Elfjährige sich unsterblich in Lana Turner verliebte, sich die tollsten Entschuldigungen für seine Mutter ausdachte, weil die Schauspielerin geschieden war, sie dann aber mir nichts, dir nichts fallenließ und Anne Baxter anschwärmte: „Besonders schön war das sicher nicht, aber die Seele des Menschen ist unbarmherzig.“ Ein Mann schimpft seine Frau aus, die ihn, typisch Spatzenhirn, vor einer verfallenen Bruchbude absetzt, dabei hat er ihr genau beschrieben, wo sein Elternhaus steht, das war eine schöne, große Villa, das hätte er sich ja denken können, sie hat noch nie irgendwas begriffen. Eine Frau fragt sich, wieso ihr Mann es nicht mehr mag, wenn sie ihn berührt, warum er mit ihr nicht mehr zum Strand hinunterläuft, um Möwen zu verjagen. Sie wird am Strand warten, denn „die Heimat einer Frau ist dort, wo sie sich verliebt hat“.

Im Gespräch mit einem Russen geht es von Schach zur Vaterlandsliebe, denn als der Russe zärtlich von „Mütterchen Russland“ spricht, stellt der Erzähler fest, daß „Väterchen Portugal“ irgendwie daneben liegt. Und Gott, ja, der darf hier nicht fehlen, hat er doch in den Überlegungen des Chorknaben eine große Rolle gespielt. Er beobachtete, daß die Kirchgänger Kissen für die Knie mitbrachten und sich den Staub von der Hose schüttelten, und stellte fest, daß Gott nicht besonders reinlich war oder eine unfähige Putzfrau hatte. Und wenn man dann noch das Bild sah, auf dem „der langhaarige Mann auf einer Wolke hockte und die Blitze in der Hand hielt wie ein Elektriker“, konnte man sich kaum vorstellen, daß „der schlampige Vagabund“ hereingelassen und ins Wohnzimmer zu den anderen Verwandten gebeten wurde, wenn er plötzlich an der Tür klingelte …

 
 

Kurzvita

António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren. Er studierte Medizin, war während des Kolonialkrieges 27 Monate lang Militärarzt in Angola und arbeitete danach als Psychiater in einem Lissabonner Krankenhaus. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. In seinem Werk, das mittlerweile fünfzehn Titel umfaßt und in über fünfzig Sprachen übersetzt worden ist, setzt er sich intensiv und kritisch mit der portugiesischen Gesellschaft auseinander. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den "Großen Romanpreis des Portugiesischen Schriftstellerverbandes", den "Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur" 2000 und zuletzt 2005 den "Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft".

 
 

Titelübersicht

» An den Flüssen, die strömen
» Anweisungen an die Krokodile
» Buch der Chroniken
» Das Handbuch der Inquisitoren
» Der Archipel der Schlaflosigkeit
» Der Judaskuß
» Der Tod des Carlos Gardel
» Die Leidenschaften der Seele
» Die natürliche Ordnung der Dinge
» Die Rückkehr der Karavellen
» Die Vögel kommen zurück
» Drittes Buch der Chroniken
» Einblick in die Hölle
» Einen Stein werd ich lieben
» Elefantengedächtnis
» Fado Alexandrino
» Für jene, die im Dunkeln sitzt und auf mich wartet
» Geh nicht so schnell in diese dunkle Nacht
» Gestern in Babylon hab ich dich nicht gesehen
» Guten Abend ihr Dinge hier unten
» Ich gehe wie ein Haus in Flammen
» Kommission der Tränen
» Leben, auf Papier beschrieben
» Mein Name ist Legion
» Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben
» Portugals strahlende Größe
» Reigen der Verdammten
» Vom Wesen der Götter
» Was werd ich tun, wenn alles brennt?
» Welche Pferde sind das, die da werfen ihren Schatten aufs Meer?
» Zweites Buch der Chroniken

 
 
 
 

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