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PRESSE Buchinfo

 

Originalausgabe

Ab 13 Jahren
Taschenbuch, Broschur, 336 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-570-31253-7
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis) empfohlener Verkaufspreis
Verlag: cbj Jugendbücher

Erscheinungstermin: 11. Februar 2019
Dieser Titel ist lieferbar.

Maike  Dugaro, Anne-Ev  Ustorf - Mauerpost
 
 
 

Zwangsadoption - Das dunkle Thema der DDR

Briefroman zweier Journalistinnen zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am 09.11.2019

»Der wesentlich rasanter und explizit politisch erzählte, an jugendliche Leser gerichtete Briefroman Mauerpost […] hat mir gezeigt, wie differenziert und spannend die DDR-Geschichte literarisiert werden kann.«

ZEIT

 

Buchinhalt

Maike Dugaro und Anne-Ev Ustorf waren zur der Zeit, zu der Mauerpost spielt (1988), ungefähr so alt wie ihre Protagonistinnen Julia und Ines. Sie können sich gut daran erinnern, wie es war, als Berlin geteilt gewesen ist. Beide Autorinnen haben regen Kontakt zu Freunden aus der ehemaligen DDR und geflohenen Familienmitgliedern. Diese Geschichten, die sie dabei zu hören bekamen und der Wunsch das Thema DDR mit seinen dunklen Kapiteln Jugendlichen näher zu bringen inspirierte die Autorinnen dazu, einen Briefroman zu verfassen. Hierfür schickten sie sich die Briefe selbst. Heraus kam ein sorgfältig recherchierter und emotional erzählter Roman.

Im Anhang des Buches befinden sich ein Glossar und eine Chronik der historischen Ereignisse.

Berlin, 1988: Julia ist fünfzehn Jahre alt und lebt im Osten der Stadt, direkt an der Mauer. Ihre Nachbarin „Oma Ursel“ vermittelt ihr eine Brieffreundschaft mit der dreizehnjährigen Ines aus Westberlin, Ursels Enkelin. Doch die Brieffreundschaft muss streng geheim bleiben: Julias Vater duldet keine Westkontakte und Ines‘ Mutter will nichts mehr zu tun haben mit dem Staat, aus dem sie einst floh. Brief für Brief kommen Ines und Julia einem großen Familiengeheimnis auf die Spur …



Fragen an Katrin Behr, Gründerin des Vereins Opfer von Zwangsadoption in der DDR. Sie musste 1972 selbst die Verhaftung ihrer eigenen Mutter miterleben und wurde daraufhin zwangsadoptiert.

Sie selbst wurden in der DDR zwangsadoptiert – Können Sie uns Ihre Geschichte erzählen?

Das war sehr traumatisierend. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es ist in jede Zelle meines Körpers eingraviert. Als meine Mutter abgeholt wurde, waren einige Mitarbeiter der Stasi, eine Jugendhilfemitarbeiterin und ein ABVer anwesend, der abschließend nicht mehr dabei war. Ich werde nie verstehen können, wie Menschen so etwas machen konnten. Für mich ist das bis heute unerklärlich, dass man auf uns kleine Kinder überhaupt keine Rücksicht genommen hatte. Als kleines Kind versteht man nicht, was da gerade passiert. Man weiß nur eins: Es muss irgendetwas ganz Schlimmes sein. Ich hatte mich so sehr an die Hoffnung geklammert, dass sie an dem Abend wieder nach Hause kommt, so wie sie es mir beim Abschied versprochen hatte. Doch ein paar Tage später wurden wir von unserer Oma in das Vorschulkinderheim in Gera gebracht. Sie konnte sich dagegen nicht wehren. Während ich bei der 1. Pflegefamilie war, einem Hausmeisterehepaar an einer Schule, wurde die Geschwistertrennung durchgeführt, um mich für eine Adoption vorzubereiten. Mein Bruder kam in ein anderes Kinderheim.

Wie kam es zur Gründung von OvZ-DDR und wofür setzt sich der Verein genau ein; was fordern Sie?

Ich war 1990 mit meinem Sohn schwanger und brauchte eine genetische Untersuchung. Dafür benötigte ich die Adresse meiner leiblichen Mutter, um sie um Mithilfe zu bitten. Als ich meine eigene Geschichte aufzuarbeiten begann, stellte ich fest, dass das Thema Zwangsadoption bisher überhaupt nicht aufgearbeitet war und in der Öffentlichkeit kaum existierte. Also gründete ich die beiden Portale zwangsadoptierte-kinder.de und personen-suche-ddr.de, damit die Betroffenen im Internet nach ihren vermissten Angehörigen suchen können. Diesen Dienst biete ich bis heute kostenfrei an. Um stärker agieren zu können, war mir von Anfang bewusst, dass wir einen Verein gründen müssen, um besser auf unsere Schicksale hinweisen zu können. Ziel des 2008 gegründeten Vereins ist die Aufarbeitung der DDR-Geschichte insbesondere unter dem Gesichtspunkt der durchgeführten Zwangsadoptionen und Kindeswegnahmen.

Sie unterstützen Maike Dugaro und Anne-Ev Ustorf bei Lesungen und Veranstaltungen und berichten dem Publikum welche Erfahrungen Sie gemacht haben. Was reizt Sie gerade an Mauerpost?

Ich muss gestehen, dass mich das Buch sehr berührt hat. Es war von Anfang an sehr spannend aufgebaut und der gedankliche Wandel von Julia war sehr schön nachvollziehbar. Ich konnte mich gut mit ihr identifizieren und es hat mich an meine eigene Jugend erinnert, in der ich sehr viel gelesen habe. Auch fiel mir die Nachbarin wieder ein, die mir manchmal heimlich 10 Westmark in die Hand drückte und die ich wie einen Schatz hütete. Ich muss gerade darüber schmunzeln. Es ist so, als wenn es gerade erst gewesen wäre.

Wühlt die Lektüre von Mauerpost Sie als Betroffene auf?

Ja. Beim letzten Abschnitt kamen mir die Tränen. Selbst jetzt, wo ich darüber berichte, berührt es mich sehr und die Tränen kommen wieder hoch. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht einmal, was ich an der Stelle von Julia gemacht hätte. Wäre ich so mutig wie sie gewesen? Meine leibliche Mutter wollte auch nie über diese Zeit reden und ich stand immer da, mit einem Rucksack voller Fragen.

Warum braucht es Ihrer Meinung nach Bücher über Zwangsadoption in der DDR für Jugendliche?

Jugendliche haben ein großes Interesse an Geschichte, wenn man es ihnen gut nahebringt. Das kann durch Bücher sein, die sie berühren oder mit Zeitzeugen, die von ihren Erlebnissen berichten. Jugendliche hinterfragen oft. Ich merke es immer wieder, wenn ich durch Schüler Anfragen erhalte. Jugendliche sind anders im Denken und Fühlen, im Vergleich zu Erwachsenen. Sie sind noch offen für Vorstellungen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Jugendlichen mit dem Buch Mauerpost mitfiebern, dass es sie berührt, sie beschäftigt, Fragen in ihnen hervorruft.

Was auch wichtig ist, dass sie begreifen können, was es wirklich heißt in einer Diktatur zu leben, wie manipulierend sie ist und was es für Auswirkungen haben kann. Es ist Geschichte, die man ihnen erklärt. Abgesehen davon, ergibt sich aus solchen Büchern auch die Chance, das Heute wertzuschätzen und das Gut der Demokratie zu schützen.

 
 

Kurzvita

Über Maike Dugaro (Autorin)

Maike Dugaro (geboren 1977) ist Journalistin, Dozentin und Biographin. Sie war lange als Redakteurin bei GEO.de beschäftigt und schreibt heute freiberuflich Reisetexte und Biographien. Sie unterrichtet Journalismus an der Akademie für Publizistik in Hamburg.

 

Über Anne-Ev Ustorf (Autorin)

Anne-Ev Ustorf (geboren 1974) ist Journalistin, Dozentin und Sachbuchautorin. Seit 2003 ist sie als freiberufliche Journalistin mit den Schwerpunkten Psychologie und Bildung tätig. Sie unterrichtet Journalismus an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

 
 
 
 
 

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