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Walter Kempowski

Letzte Grüße

Roman

Originalausgabe

Hardcover mit Schutzumschlag, 432 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8135-0195-7
€ 22,90 [D] | € 23,60 [A] | CHF 32,50* (* empf. VK-Preis) empfohlener Verkaufspreis
Verlag: Knaus

Erscheinungstermin: 18. September 2003
Dieser Titel ist lieferbar.

Walter  Kempowski - Letzte Grüße
 
 
 

LETZTE GRÜSSE

Roman

 

"Ein überaus gelungen bewußtseinserweiternder Reisebericht, eine sensibilisierende Reportage über die Kategorien der Wahrnehmung - und ein empfindsames Sprachwerk."

Volker Ladenthin, Buchmessen-Beilage des Rheinischen Merkur

 

Buchinhalt

Ein alternder Schriftsteller geht noch einmal auf Lesereise - durch Amerika. Dort begegnet er nicht nur einer ihn befremdenden Welt, sondern auch sich selbst. Der neue Roman von Walter Kempowski changiert feinsinnig zwischen Ironie und Melancholie, zwischen Trauer und Lebenshunger.

Der Schriftsteller Alexander Sowtschick, der Held aus Kempowskis "Hundstage", steckt in ziemlichen Nöten. Er hat einen "an sich liebenswürdigen Kollegen" einen "Dünnbrettbohrer" genannt und demzufolge eine Beleidigungsklage am Hals. Der Roman, an dem er schreibt, stockt auf Seite 63, und seit Monaten will sich nichts mehr bewegen an dem Manuskript, wo er doch von seinem Verleger einen gewaltigen Vorschuss bekommen hat und das Buch schon öffentlich angekündigt ist. Seine Ehe verläuft friedlich und ein wenig langweilig, aber Alexanders Ehefrau Marianne wirkt frustriert, was sich unter anderem in verstärkten Ankäufen von Orientteppichen bemerkbar macht.

Da kommt die Einladung von einem deutsch-amerikanischen Institut gerade recht. Die Staaten bereisen, kreuz und quer, Lesungen abhalten vor einem interessierten Publikum, und hier und da ein Vortrag: eine recht verlockende Aussicht. Alles vom Institut finanziert und obendrein recht ansehnliche Honorare für die Lesungen?

Vielleicht sogar ein Empfang beim Botschafter? Lachse angeln in Kanada?
Sowtschick entschließt sich also zu dieser Reise, obwohl er andererseits doch aus dem Stand tausend Gründe aufzählen kann, die dagegen sprechen. Dass die Amerikaner deutsche Barockkirchen in Schutt und Asche gelegt haben, ist nur einer davon, und Sowtschick hat ihnen das nicht vergessen. Und die GIs, die den deutschen Mädchen hinterher gepfiffen haben, tut man denn das im Ausland?

Liegt es an den Klischees, die Sowtschick im Kopf hat, dass er in der Neuen Welt von einem Missgeschick in das nächste stolpert? Eine Art von self-fulfilling prophecy? Auf den Flughäfen herumsteht, wie bestellt und nicht abgeholt? Und was seine Laune auch nicht besser macht: In jedem Institut, das er besucht, wird ihm vorgeschwärmt, wie großartig unlängst der Auftritt seines Kollegen Schätzing gewesen sei, eines ostdeutschen Lyrikers, mit seinen berühmten "Definitionen I, II und III". Und gar die aus Wuppertal stammende Ellen Butt-Prömse mit ihren sozialkritischen Texten!

Sowtschick hingegen eilt der Ruf des Unzeitgemäßen ("Alter Sack! Dem rieselt doch schon der Kalk aus der Hose!") voraus, und er steht im Verdacht, ein politischer Reaktionär zu sein. Außerdem: War er nicht vor Jahren einmal in ein kriminelles Delikt verwickelt, im heimatlichen Sassenholz? Davon hat man in Amerika gehört, und das hat man sich gemerkt. Seine Werke hingegen sind in den Institutsbibliotheken nicht zu finden.

Sowtschick bereist die amerikanischen Städte und Landschaften wie ein Ethnologe, der die merkwürdigen Sitten und Gebräuche exotischer Stämme studiert. Aber er versteht sie nicht, die Gepflogenheiten dieser "Larifari-Welt", er findet schon das Essen zum Kotzen (im wörtlichen Sinn), und die meisten der Leute, mit denen er es zu tun bekommt, ebenfalls. Die Institutsleiter mit ihrem Kulturgetue sind ihm ebenso zuwider wie die allgegenwärtigen Germanisten, die sich für alles interessieren, nur nicht für Sowtschicks Werke. Von deutschen Zeitungen keine Spur, und auch im Fernsehen kommt Deutschland nicht vor, obwohl es doch gerade interessant zu werden scheint im östlichen Teil des Vaterlands: von Protestversammlungen in Kirchen und großen Demonstrationen war zu hören...

Sowtschick, den wir uns als älteren Herrn mit goldener Brille vorzustellen haben, tut sein Bestes, um sein cholerisches Temperament zu zügeln und seine Contenance zu wahren. Es gelingt ihm höchst unvollkommen. Seine misanthropischen Neigungen finden auf dieser Reise reichlich Nahrung. Und manche plötzlich aufflammende menschliche Zuwendung geht ins Leere: die Studentin Jennifer, die ihn auf die Türme des World Trade Center führt, zeigt sich an einem näheren Kontakt nicht interessiert. Und auch Muriel, die sich glühend für die Rechte der Indianer einsetzt, erweist sich an den tosenden Wasserfällen des Athabasca als höchst sperrig. Auf der anderen Seite hat Sowtschick alle Hände voll damit zu tun, sich der erotischen Attacken einer Archivarin von der Universität Yale zu erwehren.

Zwischendurch machen sich gelegentlich kleine Absenzen, plötzliche Schwindelgefühle und ein bereits zum sechsten Mal auftauchendes, gezacktes Horn auf seiner Netzhaut bemerkbar. Symptome des Alters und des Verfalls - das ist wohl nicht zu leugnen. Elegische Stimmungen (die abendländische Kultur geht endgültig den Bach runter!) und Weltschmerzgefühle greifen Sowtschick an: Es ist alles vergeblich, denkt er, und kommt doch nicht dazu, sich solchen Stimmungen hinzugeben, und sei es auch nur eines nicht funktionierenden Toasters wegen oder einer anderen Tücke eines anderen Objekts. Am Ende ist Sowtschick, als wanke der Boden unter seinen Füßen, ein grauer Schleier schiebt sich ihm vor die Augen. Ist es das Ende? Der Tod eines Vortragsreisenden in einem tristen New Yorker Hotel? War es das? Er hat sein Programm tapfer absolviert, und immerhin konnte Marianne ihm in einem Telefongespräch noch mitteilen, dass die missliche Angelegenheit mit dem "Dünnbrettbohrer" nun endgültig vom Tisch sei.

Was ist das für ein Buch? Ein road movie mit einem widerstrebenden Protagonisten, der nie so ganz genau weiß, was Sache ist? Ein melancholischer Slapstick? Eine Provokation gegen die landläufigen Erwartungen des Literaturbetriebs? Gegen den deutschen Tiefsinn?

Es ist ein Stück Prosa von hinreißender Leichtigkeit und Komik, das eher an angelsächsische Vorbilder anknüpft als an die ohnehin nur schwach ausgeprägte deutsche Humortradition und das wunderbar changiert zwischen Ironie und Melancholie, zwischen Trauer und Lebenshunger.

 
 

Kurzvita

Walter Kempowski zählt seit vielen Jahren zu den bedeutendsten und produktivsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur. Bekannt wurde er durch seine frühen Romane ("Tadellöser und Wolff", "Aus großer Zeit"). Mit seiner monumentalen Collage "Das Echolot" gelang ihm 1993 ein sensationeller Erfolg, der von der Kritik im In- und Ausland gefeiert wurde. Bisher folgten zwei weitere Collagen ("Fuga Furiosa" und "Barbarossa"). Zu seinen späteren Romanen gehören "Hundstage" und "Heile Welt". Daneben veröffentlichte er Tagebücher ("Sirius" und "Alkor").

 
 

Titelübersicht

» Alkor
» Alles umsonst
» Aus großer Zeit
» Culpa
» Das Echolot
» Das Echolot - Abgesang '45 - Ein kollektives Tagebuch - (4. Teil des Echolot-Projekts)
» Das Echolot - Barbarossa '41 - Ein kollektives Tagebuch - (1. Teil des Echolot-Projekts)
» Das Echolot - Fuga furiosa - Ein kollektives Tagebuch - Winter 1945 - (3. Teil des Echolot-Projekts)
» Der arme König von Opplawur
» Der rote Hahn
» Ein Kapitel für sich
» Haben Sie Hitler gesehen? Haben Sie davon gewußt?
» Hamit
» Heile Welt
» Herzlich willkommen
» Hundstage
» Im Block
» Langmut
» Letzte Grüße
» Mark und Bein
» Plankton
» Schöne Aussicht
» Schule
» Sirius
» Somnia
» Tadellöser & Wolff
» Umgang mit Größen
» Uns geht's ja noch gold
» Weltschmerz
» Wenn das man gut geht!

 
 
 
 

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MEHR ZUM THEMA

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Zur Webseite www.kempowski.info

 
 
 

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